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همه نگاه ها به سوریه معطوف شده و خطر موجود در عراق را نادیده می گیرند [آلفرد هاکنزبرگر، دی ولت (آلمان)، 28 اکتبر 2019] (اداره کل رسانه های خارجی، مترجم: عطیه خرم)

اگرچه عراق نقشی مهم و اساسی در آینده توازن جهانی قدرت دارد، اما سربازان آمریکایی هنوز در عراق مستقر بوده و شبه نظامیان ایرانی نیز نفوذ گسترده ای به دست آورده اند. عراق صحنه مبارزات بزرگ در خاورمیانه است: نبرد عربستان سعودی سنی علیه ایران شیعه که به درگیری میان آمریکا و روسیه، قدرت های حامی این دو کشور نیز دامن می زند.

همه نگاه ها به سوریه معطوف شده و خطر موجود در عراق را نادیده می گیرند

1.    از اوایل اکتبر، هزاران تظاهرکننده در بغداد و حداقل پنج شهر دیگر عراق به خیابان ها آمده اند. در صورت تشدید تنش ها، این بحران بر کل خاورمیانه و همچنین اروپا تأثیر خواهد گذاشت. در حال حاضر توجه جهانیان به سوریه معطوف شده و عراق که زمانی مورد توجه قرار داشت، اکنون نادیده گرفته شده است.
2.    اگرچه عراق نقشی مهم و اساسی در آینده توازن جهانی قدرت دارد، اما سربازان آمریکایی هنوز در عراق مستقر بوده و شبه نظامیان ایرانی نیز نفوذ گسترده ای به دست آورده اند. عراق صحنه مبارزات بزرگ در خاورمیانه است: نبرد عربستان سعودی سنی علیه ایران شیعه که به درگیری میان آمریکا و روسیه، قدرت های حامی این دو کشور نیز دامن می زند.
3.    حفظ تعادل بین اکثریت شیعه و اقلیت سنی در عراق برای ثبات این کشور از اهمیت اساسی برخوردار است. ظهور گروه سنی و رادیکال اسلامگرای داعش از تقریبا یک دهه قبل که شیعیان قدرت را به دست گرفتند و سنی ها را سرکوب کردند، آغاز شد. ناآرامی ها در عراق، تعادل شکننده موجود بین فرقه های مذهبی و سیاسی را به خطر انداخته و به ترس از آغاز یک جنگ داخلی جدید و قدرت گیری دوباره دولت اسلامی دامن می زند.
4.    اکنون در عراق جنگ علیه داعش به پایان رسیده است. مردم خواستار اصلاحات ملموس بوده و هیچ بهانه ای را برای عدم بهبود وضعیت کشور نمی پذیرند. دولت و نمایندگان آن مورد حمله قرار می گیرند: نه به خاطر خط مشی سیاسی یا مذهب آنها، بلکه به دلیل انفعال و فساد گسترده. این اعتراضات سراسری اولین آزمایش جدی برای نخست وزیر عادل عبدالمهدی است. کابینه تکنوکراتیک وی وعده آغاز اصلاحات گسترده ای را داده بود، اما تاکنون هیچ نتیجه ای حاصل نشده است.
منبع: اداره کل رسانه های خارجی

Alle blicken auf Syrien – und übersehen die Gefahr im Irak
28.10.2019 Alfred Hackensberger Die Welt
Der Konflikt in Syrien steht derzeit im Fokus. Aber auch die Lage in einem anderen Schlüsselstaat der Region ist labil: im Irak. Die dortigen Unruhen destabilisieren ein Land, in dem sich die Terrormiliz IS neu aufstellt.
 „Verwüstete Checkpoints, ausgebrannte Militärfahrzeuge, zerstörte Straßensperren und überall Soldaten.“ So beschreibt Seif, ein junger Mann aus Bagdad, die gespannte Lage in der irakischen Hauptstadt. „Es ist wie im Krieg, sie schießen sofort“, erzählt er aufgebracht am Telefon. „Einer meiner Cousins wurde von einem Scharfschützen getötet, es ist einfach schrecklich.“ Dabei sei alles friedlich gewesen, sagt der 28-Jährige, bis die Armee mit unerbittlicher Härte und Gewalt vorgegangen sei.
Seif ist einer der Tausenden von Demonstranten, die Anfang Oktober in Bagdad und mindestens fünf weiteren irakischen Städten protestierten. Dabei sind laut einem offiziellen Untersuchungsbericht 157 Menschen getötet worden. Tausende Menschen wurden verletzt. Es waren die bisher blutigsten Proteste. Aber auch an diesem Wochenende kam es erneut zu Ausschreitungen. Die Bilanz laut Nachrichtenagentur AP: mindestens 49 Tote. Der Zorn der überwiegend jungen Demonstranten richtet sich gegen die grassierende Arbeitslosigkeit, Korruption und mangelnde Infrastruktur – seit Langem bekannte Kernprobleme des Landes.
Sollte die Lage weiter eskalieren, hat das Folgen für den gesamten Nahen Osten – und für Europa. Die Welt blickt auf Syrien – aber der einst im Zentrum der Aufmerksamkeit stehende Irak wird nun oft übersehen. Obwohl er immer noch ein absoluter Schlüsselstaat für die Zukunft der globalen Machtbalance ist: Amerikanische Truppen, die gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpften, sind nach wie vor im Irak stationiert. Zugleich haben iranische Milizen, die an der Seite der irakischen Armee gegen den IS kämpfen, massiv an Einfluss gewonnen. Der Irak ist Schauplatz des großen Ringens im Nahen Osten: das sunnitische Saudi-Arabien gegen den schiitischen Iran – ein Stellvertreterkonflikt zwischen den USA – dem saudischen Verbündeten – und Russland, das hinter dem Iran steht.
Die Proteste hatten sich ursprünglich an der Absetzung eines Volkshelden der irakischen jungen Menschen entzündet. Generalleutnant Abdul Wahhab al-Saadi gilt als der Mann, der an vorderster Front mit der irakischen Anti-Terror-Einheit den Islamischen Staat aus dem Land vertrieben hat. Selbst neutrale Beobachter vermuten, dass hinter der Entlassung des Generals eine Intrige der proiranischen Populären Mobilisierungskräfte (PMF) steckt. Denn al-Saadi und seine Anti-Terror-Einheit versuchten, die schiitischen Milizen zu kontrollieren. Ohne ihn haben sie nun freie Bahn.
Die Balance zwischen der schiitischen Mehrheit und der großen sunnitischen Minderheit im Irak ist zentral für die Stabilität des Landes. Der Aufstieg des radikal-islamischen, sunnitischen IS begann im Kern, als vor knapp einem Jahrzehnt die Schiiten die Macht an sich rissen – und begannen, die Sunniten im Land zu unterdrücken. Die Unruhen im Irak bedrohen die konfessionelle Balance – und schüren die Furcht vor einem neuen Bürgerkrieg und der Neuformierung des Islamischen Staats.
Unter den Demonstranten sind auch viele schiitische Jugendliche, die einfach genug haben von ihren politischen Führern. Der Krieg gegen den IS ist zu Ende. Die Straße will handfeste Reformen und keine Ausreden mehr hören, warum nichts zur Verbesserung des Landes getan wird. Der Staat und seine Repräsentanten werden angegriffen – und das nicht wegen ihrer Konfession, sondern wegen ihrer korrupten Passivität.
„Die Regierung muss auf die Forderungen eingehen, bevor es zu spät ist“, mahnte Ajatollah Ali al-Sistani, der einflussreichste und angesehenste Kleriker im Irak. Der 89-Jährige verurteilte die Gewalt der Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten und kritisierte die Regierung für die fehlende Entschiedenheit im Kampf gegen Korruption. Tatsächlich geht im Irak nichts ohne „Bakschisch“. Transparency International führt den Irak auf seiner Liste der korruptesten Länder der Welt auf Platz 13. Ob für einen Bauauftrag oder für ein simples Dokument auf der Behörde – überall wird Geld unter der Hand verlangt.
60 Prozent unter 25 Jahre
„Wir haben dieses System so satt“, sagt Seif, der nach seinem Universitätsstudium seit Jahren keine Arbeit findet. „Entweder bezahlt man oder hat einen guten Kontakt.“ Sonst könne man wochen- oder sogar monatelang auf ein Papier oder eine Genehmigung warten. Bei der Vergabe von Jobs sei das nicht anders. „Die werden nicht nach Qualifikation vergeben, sondern nach Bezahlung und Beziehungen“, sagt Seif.
60 Prozent der irakischen Bevölkerung sind unter 25 Jahre. Etwa ein Viertel der jungen Leute ist arbeitslos, wobei Schätzungen sogar von 40 Prozent ausgehen. Das verschärft die sozialen Gegensätze, wenn man bedenkt, dass beinahe ein Viertel der rund 40 Millionen Iraker unter der Armutsgrenze lebt.
Laut Angaben der Weltbank hatten diese 2014 weniger als 1,73 Euro pro Tag zur Verfügung. Heute, fünf Jahre später, dürfte die Armut noch verbreiteter sein. Nach dem Krieg gegen den IS sind viele Städte zerstört. 1,6 Millionen Menschen sind noch immer nicht in ihre Häuser und Wohnungen zurückgekehrt.
Die landesweiten Proteste sind für Premierminister Adil Abdul-Mahdi die erste ernsthafte Bewährungsprobe. Er trat 2018 sein Amt an und galt als Hoffnungsträger. Sein technokratisches Kabinett sollte weitreichende Reformen anstoßen, aber bisher ist davon nichts zu spüren. Der 28-jährige Seif ist jedenfalls entschlossen, so lange weiter zu demonstrieren, bis sich etwas ändert. „Wir lassen uns nicht aufhalten, denn es kann nicht so weitergehen“, sagt er. Der Staat tue nichts für seine Bürger. „Es gibt keine Arbeit, keine anständigen Straßen und Krankenhäuser. Die Politiker stecken das Geld nur in die eigene Tasche.“
https://www.welt.de/politik/ausland/article202556568/Islamischer-Staat-Alle-blicken-auf-Syrien-und-uebersehen-die-Gefahr-im-Irak.html?wtrid=onsite.onsitesearch

 

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